Unerhört! Expressionismus in Görlitz

02.06..2018 bis 06.01.2019

Erstmals widmet das Kulturhistorische Museum Görlitz dem Expressionismus, einer sehr bedeutenden Epoche der Görlitzer Kunst- und Kulturgeschichte, eine umfangreiche Sonderausstellung. Gezeigt werden mehr als 200 Werke, darunter Aquarelle, Grafiken, Kupferstiche, Holzschnitte, Fayencen und Bücher. Ergänzt werden sie durch Fotografien aus den 1920er Jahren, die Görlitzer dem Museum zur Verfügung gestellt haben.

Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts entstand in mehreren deutschen Großstädten eine neue Kunstströmung, die der Kunstkritiker Herwarth Walden 1911 erstmals als Expressionismus be­zeichnete. Seine wichtigsten Akteure, Max Pechstein, Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff, hatten 1905 in Dresden die Künstlergruppe „Brücke“ gegründet. Die Görlitzer kamen mit ihrer Kunst durch eine Ausstellung der Brücke-Künstler 1907 erstmals in Kontakt.
Ihren endgültigen Durchbruch in Görlitz erlebte die neue, unerhörte Kunst des Expressionismus nach dem Ersten Weltkrieg. Der Un­tergang des Kaiserreichs und die Gründung der Weimarer Republik zwangen die überwiegend konservative Görlitzer Bürgerschaft, sich politisch und kulturell neu zu orientieren. Zumindest für einen Teil vermochte der Expressionismus, die entstandenen Lücken zu füllen. Gleichzeitig begannen sich die Görlitzer Künstlerinnen und Künstler zu organisieren und gemeinsam regelmäßige Ausstellun­gen ihrer Werke zu veranstalten. Begegnete das hiesige Publikum ihren Werken anfangs noch mit Ablehnung, so änderte sich dies binnen weniger Jahre. Görlitz wurde zu einem bedeutenden Ort des Expressionismus.

Zu den wichtigsten Protagonisten der expressionistischen Kunstsze­ne in der Neißestadt gehörten Fritz Neumann-Hegenberg, Joseph Anton Schneiderfranken, Willy Schmidt, Johannes Wüsten, Dora Ko­lisch, Walter Deckwarth, Arno Henschel und Walter Rhaue. Im Gör­litzer Literaturleben der 1920er Jahre kam Ludwig Kunz eine beson­dere Rolle zu. Er beförderte den literarischen Expressionismus und gab in loser Folge die Flugblätter „Die Lebenden“ mit kurzen Essays und Lyrik heraus. Die Ausstellung zeigt, wie der Expressionismus seit den 1920er Jahren ins Museum kam, aber auch die Folgen des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs. In den Jahren der DDR ließen einzelne Künstler den Expressionismus nochmals aufleben. Einige trugen durch ihre Arbeit in Mal- und Zeichenzirkeln die Idee dieser Kunstrichtung sogar bis in die jüngste Zeit weiter.

Zur Sonderausstellung werden Kuratoren- und weitere Führungen, Kulturgeschichtliche Spaziergänge, Vorträge Zeichenkurse sowie ein Sommerferienprogramm angeboten. Weitere Informationen finden Sie hier in unserem Faltblatt!

Im Oktober folgt eine Publikation zur Ausstellung.