Was 2020 war und 2021 kommt

Nein, ein normales Jahr war das für uns alle nicht. Die Corona-Pandemie zog erhebliche Einschränkungen nach sich. So mussten die Häuser des Kulturhistorischen Museums von Mitte März bis Anfang Mai sowie erneut seit 2. November geschlossen bleiben. Eine Öffnung ist derzeit noch nicht absehbar. Immerhin zählte das Kulturhistorische Museum im Jahr 2020 trotzdem fast 22.000 Besuche im Barockhaus, Kaisertrutz, Reichenbacher Turm und Nikolaiturm.

Immer wieder gehen die Görlitzer Sammlungen neue Wege und Verbindungen ein. Beispielsweise unterstützt die städtische Kultureinrichtung junge Künstler*innen, indem sie ihnen eine Präsentationsfläche bietet. Seit 2007 findet das Zukunftsvisionen-Festival für zeitgenössische Kunst in Görlitz statt. Erstmals gastierte das Festival 2020 mit einer künstlerischen Position in der „Galerie der Moderne“ des Kulturhistorischen Museums im Kaisertrutz. Ausgestellt wurden dort drei textile Werke der jungen Künstlerin Mona-Sophia Freudenreich (geb. 1991).
Zwei Anläufe zur Ausbildung von Museumsführer*innen in Kooperation mit der Volkshochschule Görlitz e. V. mussten unterbrochen werden. Der Bedarf an qualifizierten Personal, das saisonal Führungen in den Häusern des Kulturhistorischen Museums übernimmt, bleibt bestehen. Die Görlitzer Sammlungen haben großes Interesse an der Fortsetzung bzw. dem Abschluss des Kurses.

Gemeinsam mit den Freunden der Görlitzer Sammlungen e. V.  haben die Görlitzer Sammlungen im Sommer erstmals den Hof des Barockhauses Neißstraße 30 als Bühne für lokale Kleinkünstler*innen geöffnet. Sommerliche Temperaturen und ein stimmungsvolles Ambiente boten den passenden Rahmen für die verschiedenen musikalisch-theatralischen Programme von Julia Boegershausen und Björn Bewerich sowie Anne Swoboda und Marc Winkler. Die Veranstaltungen waren ausverkauft, begeisterten das Publikum und wurden aufgrund der großen Nachfrage jeweils wiederholt. Am 24. Oktober gestalteten Julia Boegershausen und Björn Bewerich gemeinsam mit der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften zum Tag der Bibliotheken ein 1920er-Jahre-Programm. Auch das mit großem Erfolg, ebenso wie die zusätzlichen Montagsführungen von Juni bis Oktober. Im Frühjahr war die Bibliothek ebenfalls von der coronabedingten Schließung betroffen, derzeit kann sie zumindest die Ausleihe und Rückgabe von Medien durchführen.
Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag von 10:00 bis 17:00 Uhr, Freitag von 10:00 bis 13:00 Uhr, Änderungen vorbehalten.

In der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften waren in diesem Jahr durch die Bearbeitung der Büchersammlung des jüdischen Schriftstellers Ludwig Kunz sowie die Erfassung eines ersten Teils der Bibliothek des Kulturhistorischen Museums die Schwerpunkte der Arbeit gesetzt. Insgesamt wurden dabei 4.200 neue Titel in den Online-Katalog eingearbeitet. Außerdem erfolgten weitere Aktualisierungen für Teile des Altbestandes nach aktuellen bibliothekarischen Standards. Unter den Neuanschaffungen sind besonders die Exemplare der Satirezeitschrift „Simpl“ zu nennen. Sie erschien 1934–1935 als Emigrationsausgabe in Prag und nahm die Verhältnisse in Deutschland unter den Nationalsozialisten ins Visier. Finanziert wurden die Ausgaben von dem 1933 nach Prag emigrierten Görlitzer Juristen Hans Nathan. Zahlreiche Karikaturen stammen von Johannes Wüsten. Erstmals konnte auch der literarische Nachlass des Görlitzer Schriftstellers Friedrich v. Uechtritz (1800–1875) erschlossen werden. Mehr als 700 Briefe, darunter auch von Friedrich Hebbel, Ludwig und Dorothea Tieck, sowie mehrere Manuskriptfassungen seiner Theaterstücke und Romane gehören zu seinem Vermächtnis. Eine Förderung der Koordinierungsstelle zur Erhaltung des schriftlichen Kulturgutes (KEK) ermöglichte die Restaurierung der fast 1000 Seiten zählenden Manuskripte des Universalgelehrten und Miterfinders des europäischen Porzellans Ehrenfried Walther v. Tschirnhaus (1651–1708) aus Kieslingswalde.

Wichtige Leihgaben aus Polen und Tschechien, die in der nächsten Sonderausstellung ab Dezember im Kaisertrutz gezeigt werden sollten, konnten nicht nach Görlitz gebracht werden. Daraufhin haben die Görlitzer Sammlungen ihren Ausstellungsplan überarbeitet: Bis zum 2. Mai 2021 verlängert wird im Kaisertrutz, Platz des 17. Juni 1, die Sonderausstellung „Abenteuer Neiße. Geschichten am Fluss“. Zum 950. Jubiläumsjahr der Stadt gestalten die Görlitzer Sammlungen eine Sonderschau, die im Juni eröffnet und bis 2. Januar 2022 zu sehen sein wird.

Im Barockhaus Neißstraße 30 folgt im März auf die Kabinettausstellung „Dieter Goltzsche. Druckgrafiken und Zeichnungen zur Literatur“ eine Präsentation mit Druckgrafik und Zeichnungen von Charlotte E. Pauly. Im Herbst werden an dieser Stelle japanische Farbholzschnitte ausgestellt.

Digitalisierung ist eine der großen Aufgaben für die Görlitzer Sammlungen. So können inzwischen die Museumshäuser Barockhaus Neißstraße 30 und der Kaisertrutz virtuell besucht werden. Kontinuierlich werden die Exponate der Sammlungen weiter erfasst, fotografiert, gescannt, inventarisiert. Teile der digitalisierten Sammlungen werden künftig in Kooperation mit der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen online gestellt. Durch die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) konnten im Rahmen des Landesdigitalisierungsprogramms für Wissenschaft und Kultur des Freistaates Sachsen in den letzten zwei Jahren rund 160.000 Manuskriptseiten von Beständen der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften digitalisiert und online zur Verfügung gestellt werden. Die Görlitzer Sammlungen hoffen auf eine Fortsetzung des Programms in den nächsten Jahren.

Die Görlitzer Sammlungen haben 2020 drei wichtige Menschen verloren, die ihnen nahestanden – Heiner Mitschke, Hanna Majewska und Dr. Ernst Kretzschmar.
Der Ausgrabungstechniker und Restaurator Hans-Heinrich (Heiner) Mitschke war viele Jahre im Görlitzer Museum tätig, unter anderem für die Pflege und Verwaltung einer der bedeutendsten archäologischen Sammlungen im kommunalen Eigentum auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Die Bewahrung dieser großartigen Sammlung für die Stadt Görlitz und das Museum lag Mitschke sehr am Herzen. Als Pensionär blieb er dem Museum, der regionalen Geschichte, der Archäologie und auch der Münzkunde stets verbunden.
Noch vor einigen Wochen hat Hanna Majewska unsere Arbeit in den sozialen Netzwerken geteilt. Sie war eine enge Freundin der Görlitzer Sammlungen. Kultur hat ihr Leben in besonderer Weise begleitet. Unermüdlich wirkte sie daran, die Menschen beiderseits der Neiße einander näher zu bringen und ihnen die große Chance aufzuzeigen, gemeinsam in einer Stadt, in der Europastadt Görlitz/Zgorzelec zu leben.
Dr. Ernst Kretzschmar arbeitete zwanzig Jahre lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter für Stadtgeschichte in den Städtischen Kunstsammlungen. Auch in seinem Ruhestand blieb er über viele Jahre dem Museum verbunden. Sowohl als wissenschaftlicher als auch als freier Mitarbeiter des Museums war es ihm wichtig, nicht nur Geschichte zu vermitteln, sondern Heimatliebe zu fördern. Mit seiner Tasche über der Schulter, in der ein Diaprojektor und eine große Kiste mit Bildern verstaut waren, zog er durch die Stadt, hielt Vorträge zur Görlitzer Stadtgeschichte und erreichte damit viele Menschen.
Unsere aufrichtige Anteilnahme gilt den Familien und Angehörigen.

Die Görlitzer Sammlungen bedanken sich auch in diesem Jahr bei allen Freund*innen, Besucher*innen, Partner*innen, Schenker*innen, Helfer*innen, Redaktionen und Verlagen, den Mitgliedern des Fördervereins der Freunde der Görlitzer Sammlungen, den bei uns gastierenden Künstler*innen sowie allen Menschen, die uns wohlgesonnen sind.

Bleiben Sie gesund! Wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit Ihnen.