Neue Sonderausstellung im Barockhaus Neißstraße 30

Die Sonderausstellung „Natur und Idee“ zeigt ab 7. September Arbeiten von Adolf Traugott v. Gersdorf (1744–1807) und Egbert Kasper(* 1957). Beide entstammen sehr unterschiedlichen Epochen, doch sie verbindet ein intensives Interesse an der Natur und ihren Gestaltungsformen. Sie entdecken und sammeln Phänomene der Natur und reflektieren diese in ihren künstlerischen Werken. Die Sonderausstellung präsentiert eine Auswahl der Lichtenbergschen Figuren, die Adolf Traugott von Gersdorf im späten 18. Jahrhundert schuf, sowie aktuelle Druckgrafiken, Zeichnungen, Plastiken und Objekte von Egbert Kasper. Eingebettet in die historischen Sammlungskabinette der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften, unternimmt die Sonderausstellung einen Brückenschlag über mehr als zwei Jahrhunderte hinweg.

Bereits seit den 1780er Jahren hat der Oberlausitzer Adlige Adolf Traugott v. Gersdorf intensiv mit Elektrizität experimentiert. Ein Ergebnis dieser Versuche sind seine Lichtenbergschen Figuren, die elektrische Ladungen mithilfe von Farbpulvern sichtbar machen. Ihren Namen verdanken sie dem Naturwissenschaftler Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799). Er hatte das Phänomen eher zufällig entdeckt, doch erst Gersdorf übertrug die fragilen Staubbilder auf Papier. Jede seiner rund 1.500 erhaltenen Figuren ist ein Unikat. Heute gelten sie als Vorläufer abstrakter grafischer Kunst. Die für ihre Herstellung benutzten Instrumente und Maschinen sind im Physikalischen Kabinett hier im Barockhaus ausgestellt.

Seit mehr als drei Jahrzehnten ist der in Görlitz geborene Egbert Kasper als freischaffender Grafiker und Bildhauer in Lückersdorf bei Kamenz tätig. Themen findet er vor allem in der Natur und ihren vielfältigen Erscheinungsformen. Diese abstrahiert er zu freien Strukturen oder betont die Eigenschaften eines Objekts, wie dessen Farbigkeit und Oberflächenstruktur. In Kaspers Werken ist die Natur daher stets eine Ko-Autorin, auf deren Eigenarten der Künstler reagiert. Diesen symbiotischen Arbeitsprozess reflektieren auch die Werktitel, die weitere Bedeutungsebenen öffnen und es ermöglichen zwischen rationalistischem Objektstudium und subjektiver Naturwahrnehmung hin und her zu wechseln.

In den Werken Adolf Traugott v. Gersdorfs und Egbert Kaspers wird ein gemeinsames ästhetisches Verständnis sichtbar, in dem Natur und Idee eng miteinander verwoben sind.

Begleitend laden die Görlitzer Sammlungen zu folgenden Veranstaltungen ein:

Kuratorenführungen mit Kai Wenzel
11.10.2019, 17:00–18:00 Uhr
17.01.2020, 15:00–16:00 Uhr gemeinsam mit dem Künstler Egbert Kasper
14.02.2020, 15:00–16:00 Uhr

Führungen für Kinder und Erwachsene mit Dr. Constanze Herrmann
Formenreich und vielfältig in der Gestaltung repräsentieren die ausgestellten Lichtenbergischen Figuren eine Kollektion erhaltener Abdrucke aus dem Besitz von Adolf Traugott v. Gersdorf. Die Figuren waren zunächst eine Zufallsentdeckung von Georg Christoph Lichtenberg in Göttingen. Später gelang es ihm, daraus eine Methode zur Sichtbarmachung der Elektrizität zu entwickeln. Gersdorf hatte Lichtenberg persönlich kennen gelernt und forschte danach selbst auf diesem Gebiet. Die kindgerechte Führung führt zunächst zu dessen physikalischen Geräten, dabei gibt Dr. Constanze Herrmann einen Einblick zum Hintergrund der Entdeckung, dem praktischen Sinn, den Gersdorf und sein Umfeld in den Figuren sah, und zum Grund seiner breit angelegten Forschungen. Im Anschluss führt Dr. Constanze Herrmann anschaulich vor, wie sich die Lichtenbergschen Figuren formen.
Empfohlenes Mindestalter der Kinder:  7 Jahre
Dauer: ca. 1 Stunde
15.10.2019, 14:30–16:00 Uhr
22.10.2019, 14:30–16:00 Uhr
11.02.2020, 14:30–16:00 Uhr
Das Programm für Kinder und Erwachsene kann auch als Angebot für Schulklassen gebucht werden!

Öffentliche Führung zu den Lichtenbergschen Figuren mit Dr. Constanze Herrmann
25.10.2019, 17:00–18:00 Uhr