NS-Raubkunst in den Görlitzer Sammlungen

Die Görlitzer Sammlungen haben einen Teil ihrer Vergangenheit aufgearbeitet und Provenienzrecherche zu NS-Raubkunst betrieben. Die Ergebnisse werden nun in einer Kabinettausstellung in der Galerie der Moderne im Kaisertrutz gezeigt.
In den Jahren 1933 bis 1945 wurden die Bestände der damaligen Städtischen Kunstsammlungen Görlitz, der heutigen Görlitzer Sammlungen, um rund 1.500 Objekte erweitert. Bereits seit den 1990er Jahren gab es Kenntnis darüber, dass sie während der Zeit des Nationalsozialismus zum Teil unter unrechtmäßigen Umständen erworben worden sind. Sie stammten aus jüdischen Privatsammlungen, deren Eigentümer von den Nationalsozialisten enteignet, aus dem Land getrieben oder umgebracht worden waren.
Mit Unterstützung des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste und der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen konnte in den Jahren 2016 und 2017 eine systematische Erforschung der Provenienzen jener Neuerwerbungen erfolgen. Die Recherchen führten die Kunsthistorikerin Dr. Katarzyna Zinnow und die Kulturwissenschaftlerin Silke Maria Hampel durch. Zentrale Quellen bildeten die lückenlos überlieferten Inventarbücher des Museums. Dabei konnten 150 eindeutige Funde und fünf Verdachtsfälle festgestellt werden. Bei Letzteren ist die exakte Provenienz der Stücke anhand der Museumsunterlagen sowie weiterer Archivalien nicht mehr nachvollziehbar. Entsprechend der Transparenzrichtlinien der Washingtoner Prinzipien werden sie im Portal Lost Art (www.lostart.de) als Fundmeldungen eingestellt. Von den 150 Kunstgegenständen befinden sich noch neun Objekte in der Museumssammlung. Sie werden zusammen mit Reproduktionen der bereits restituierten bzw. seit 1945 verschollenen Kunstwerke und Informationen zu den früheren Eigentümern in der Galerie der Moderne gezeigt.
Die Stadt Görlitz als Trägerin des Museums und Eigentümerin der Sammlungsgüter sieht sich der Washingtoner Erklärung von 1998 verpflichtet. Darin hatten sich 44 Unterzeichnerstaaten verständigt, von den Nationalsozialisten beschlagnahmte Kunstwerke zu identifizieren, Alteigentümer und Erben ausfindig zu machen und mit diesen eine gerechte und faire Lösung zu finden. Die daraufhin formulierte Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände sieht die Auffindung und Rückgabe von NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgütern vor.
Mit einem Beschluss bestätigte der Stadtrat der Großen Kreisstadt Görlitz diese Verfahrensweise in seiner Sitzung am 25. Januar 2018. Entsprechend dieser freiwilligen Selbstverpflichtung wird das Museum versuchen, die rechtmäßigen Erben der nunmehr zweifelsfrei als NS-Raubkunst identifizierten Stücke ausfindig zu machen und ihnen eine Rückgabe anzubieten.
Die Kabinettausstellung kann bis 2. Dezember 2018 im Kaisertrutz besichtigt werden.

Weiterführend empfehlen wir dazu den Beitrag von Dr. Katarzyna Zinnow im Görlitzer Magazin Heft 29. >>>