Kunstpausen 12 nach 12 mit Kai Wenzel

Mittwoch, 28.11., 12:12–12:42 Uhr
Expressionistische Glasuren: Walter Rhaue
Walter Rhaue gehörte als Maler und vor allem als Kunsttöpfer zu den jungen Künstlern, die durch den 1920 gegründeten Görlitzer Jakob-Böhme-Bund gefördert wurden. Aus einem Dorf in der Nähe der niederschlesischen Stadt Brieg (Brzeg) stammend, studierte er von 1905 bis 1911 an der Breslauer Kunstakademie bei Hans Poelzig und Hans Roßmann. Danach ließ er sich in Görlitz nieder und war zunächst als Wandmaler und Restaurator tätig. Nach dem Ersten Weltkrieg gründete Rhaue eine Werkstatt für künstlerische Keramik, die schnell überregional bekannt wurde. In den 1920er Jahren verzierte Rhaue seine Gefäße mit expressiven figürlichen und abstrakten Dekoren. Zu seinen Mitarbeitern gehörten Dorothea Koeppen und Theodor Wüsten, die gemeinsam mit Johannes Wüsten eine eigene Werkstatt für künstlerische Keramik gründeten. Die Werkstatt von Walter Rhaue bestand nach dem Tod des Künstlers 1959 fort. Auf die Dekore der 1920er Jahre wurde bis zuletzt immer wieder zurückgegriffen, was der Rhaue-Keramik einen hohen Wiedererkennungswert verleiht.

Mittwoch, 05.12., 12:12–12:42 Uhr
Waldinneres mit Holzsammlerin: Dora Kolisch
Dora Kolisch gehörte zu den Künstlern, die nach 1918 von den Ausstellungsmöglichkeiten des Kunstvereins für die Lausitz und des Jakob-Böhme-Bundes profitierten und sich so in Görlitz und darüber hinaus einen Namen machen konnten. Seit Beginn der 1920er Jahre waren ihre Arbeiten regelmäßig in Görlitzer Ausstellungen vertreten. Die in der Neißestadt aufgewachsene Dora Kolisch hatte von 1905 bis 1908 zunächst an der Kunsthochschule Weimar und von 1910 bis 1912 an der Kunstakademie München studiert. Danach kehrte sie nach Görlitz zurück und war hier zeitlebens freischaffend tätig. In den Jahren des Nationalsozialismus, als ihre Werke als entartet diffamiert wurden, musste die Künstlerin wachsende Repressalien erdulden. Das Ende des Krieges erlebte sie daher als eine Zeit des Aufbruchs, in der sie die Kunst des Expressionismus noch einmal aufleben ließ. Stellvertretend dafür steht ihr Gemälde „Waldinneres mit Holzsammlerin“ aus dem Jahr 1957. Ganz unmittelbar schloss Dora Kolisch darin an die Bildsprache des Expressionismus der 1920er Jahre an. Erzählerisch reflektiert die mystisch wirkende Naturszenerie die Not der Nachkriegsjahre.

Mittwoch, 12.12., 12:12–12:42 Uhr
Görlitzer Menschen: Fotografien aus den 1920er Jahren

Während der Vorbereitung der Sonderausstellung hatte das Kulturhistorische Museum einen Aufruf nach privaten Fotografien, die Görlitzer Bürgerinnen und Bürger der 1920er und frühen 1930er Jahre zeigen, gestartet. Obwohl der Fotoapparat zu dieser Zeit noch nicht in allen privaten Haushalten Einzug gehalten hatte, wurden auf den Aufruf hin erstaunlich viele Fotos im Museum abgegeben. Sie zeigen Bürger der Stadt beim Sonntagsausflug, auf Ausfahrt mit dem ersten Auto, die junge Verlobte im besten Kleid oder fröhliche Silvester- und Faschingsfeiern. Wer noch keine eigene Kamera besaß, ging zum Fotografen. Man ließ die Kinder nach der Geburt und zur Konfirmation aufnehmen. Besonders beliebt waren natürlich Hochzeitsfotos. In der Vielfalt der Motive, Personen und Orte geben die Fotografien einen umfassenden Einblick in das städtische Leben von Görlitz während der Jahre der Weimarer Republik.