Das Kulturhistorische Museum

Das Kulturhistorische Museum Görlitz präsentiert seine wertvollen Sammlungen in drei denkmalgeschützten Objekten – im Barockhaus Neißstraße 30, im Kaisertrutz und im Reichenbacher Turm. Die drei Ausstellungsgebäude bieten eine Gesamtausstellungsfläche von fast 4.000 qm.
Des Weiteren betreut das Kulturhistorische Museum seit 2016 in Kooperation mit dem Förderverein Kulturstadt Görlitz-Zgorzelec den Nikolaiturm. 

Der Sitz der Museumsverwaltung befindet sich im Biblischen Haus, Neißstraße 29.
Seit 2013 verfügt das Kulturhistorische Museum über ein zentrales Depot.

Görlitzer Magazin Nr. 31 erschienen

Das Görlitzer Magazin 31/2018 kann an den Museumskassen im Barockhaus Neißstraße 30 und im Kaisertrutz, Platz des 17. Juni 1, zum Preis von 9,90 Euro käuflich erworben werden. Die aktuelle Ausgabe enthält zehn populärwissenschaftliche Beiträge zur Geschichte der Stadt Görlitz und ihrer Umgebung sowie die Neuerwerbungen von Oberlausitzischer Bibliothek und Kulturhistorischem Museum. Das 120 Seiten umfassende Heft ist mit finanzieller Unterstützung durch die Freunde der Görlitzer Sammlungen e. V. im Verlag Gunter Oettel Görlitz – Zittau erschienen.
Inhalt:
Kai Wenzel: Über die Kunst, Raum zu organisieren. Die Görlitzer Hallenhäuser
Charlotte Plückhahn: Das böhmische Andachtsbild aus dem Kloster St. Marienstern. Ünber die Nutzung eines beidseitig bemalten Bildträgers
Helga Heinze: Scharfrichter und Abdecker in der Herrschaft Muskau
Siegfried Hoche: Die Besitzer des Hauses Brüderstraße 9
Klaus-Dieter Herbst: Die Tagebücher des Bartholomaeus Scultetus
Steffen Menzel: Eine Testamentsammlung in der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften
Thomas Rudert: Zur Provenienz eines Porträts der Prinzessin Maria Amalia von Sachsen in den Görlitzer Sammlungen
Elisabeth Peters: Der Bildhauer Hans Wissel (1897–1949) und seine Blechplastiken
Karl Pohl: Erinnerungen an Görlitz
Lena Eisold: „Für mich sind Bilder Antworten auf unser Leben.“ Neuerworbene Werke des Malers und Druckgrafikers Horst Weber
Steffen Menzel: Neuerwerbungen und Erschließungsarbeiten in der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften
Ines Haaser, Kai Wenzel: Neuerwerbungen 2018

Eine kostbare Schenkung an das Kulturhistorische Museum Görlitz

Foto. Kai Wenzel

Außergewöhnliche Schenkungen gehören zu den Sternstunden jedes Museums. Das Kulturhistorische Museum erhielt jetzt eine besonders kostbare Spende von Andreas Lesser aus München. Er übergab zwei barocke Silberbecher, die er in einem Wiener Auktionshaus eigens mit der Absicht erworben hatte, sie dem Görlitzer Museum zu stiften. Bei den Bechern handelt es sich um prachtvolle Arbeiten zweier Görlitzer Silberschmiede des 17. und 18. Jahrhunderts. Auf einem Becher, der um 1695 geschaffen wurde, ist Kaiser Leopold I. dargestellt. Der andere Becher entstand anlässlich der Hochzeit des Görlitzer Juristen Johann Georg Neumann im Jahr 1711. Beide werden zukünftig in der Silberkammer im Barockhaus Neißstraße 30 dauerhaft zu sehen sein und auf wunderbare Weise die Sammlung an Görlitzer Silber der Barockzeit ergänzen, die das Museum seit einigen Jahren neu aufbaut. Die alte Silbersammlung des Museums, zu der auch Teile des Ratssilbers gehörten, war 1945 vollständig verloren gegangen. In der Barockzeit zählte Görlitz zu den überregional bedeutenden Orten der Silberschmiedekunst. Görlitzer Silber ist heute auf dem Kunstmarkt eher selten zu finden und erzielt entsprechende Preise. Dem Kulturhistorischen Museum war es daher nicht möglich, aus eigener Kraft Görlitzer Silberarbeiten zu erwerben. Umso dankbarer ist es für die Unterstützung, die es jetzt durch die Schenkung erfahren hat. Herr Lesser engagiert sich seit vielen Jahren für den Erhalt von Kulturdenkmalen und Kunstgut im Osten Deutschlands. Sein selbstloses Engagement ist gelebtes Mäzenatentum, auf das Museen zu allen Zeiten angewiesen waren und von dem sie auch in der Gegenwart sehr profitieren. Denn ihre Aufgabe des Sammelns und Bewahrens von Kulturgut bleibt ein bürgerschaftliches Gemeinschaftswerk für kommende Generationen.

Cranachs Signatur wiedergefunden

Wibke Ottweiler und Daniel Görres bei der Untersuchung des Görlitzer Luther-Bildnisses von Lucas Cranach d. Ä. (Foto: Carmen Wojcik)

Im August waren die Restauratorin Wibke Ottweiler und der Kunsthistoriker Daniel Görres vom Germanischen Nationalmuseum Nürnberg im Kulturhistorischen Museum Görlitz zu Gast. Sie arbeiten derzeit in einem von der Leibniz-Gemeinschaft geförderten Forschungsprojekt, das alle Luther-Bildnisse aus der Werkstatt Lucas Cranachs d. Ä. näher untersucht. Ihr Interesse galt Cranachs Luther-Bildnis, das aus dem Görlitzer Rathaus stammt und heute im Barockhaus zu sehen ist. Es trägt die Datierung 1546 und eine für Cranach untypische Signatur. Mit Hilfe einer Infrarotkamera konnte das Forscherteam nun völlig neue Erkenntnisse zur Entstehungsgeschichte des Gemäldes gewinnen. Denn es stellte sich heraus, dass der Bildhintergrund 1546 – Luthers Sterbejahr – oder danach vollständig übermalt wurde. Im Infrarotbild wurde unter dieser Übermalung die geflügelte Schlange als typische Signatur Lucas Cranachs d. Ä. sowie die Datierung 1530 sichtbar. Damit wissen wir nun, dass das Görlitzer Luther-Bildnis nicht nur ein echter Cranach ist, sondern bereits anderthalb Jahrzehnte früher als bisher angenommen entstand. Dem Nürnberger Forscherteam gilt dafür unser herzlicher Dank!

Liebeszauber im Kaisertrutz

Liebeszauber, 2016, Jochen Plogsties, Leihgabe des Kunstfonds, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Der Kunstfonds des Freistaates Sachsen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden stellt seit der Eröffnung der Galerie der Moderne regelmäßig wechselnd ein Werk zeitgenössischer Kunst aus Sachsen im Kaisertrutz aus. Derzeit ist das Gemälde „Liebeszauber“, von Jochen Plogsties (Jahrgang 1974) aus dem Jahre 2016 zu sehen. Das Werk wurde als Förderankauf der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen 2016 für den Kunstfonds, Staatliche Kunstsammlungen Dresden erworben.

Liebeszauber, 2016
Öl auf Leinwand
Leihgabe des Kunstfonds, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Jochen Plogsties studierte zunächst an der Kunsthochschule Mainz und anschließend an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Von 2006 bis 2008 war er Meisterschüler von Neo Rauch. Plogsties lebt und arbeitet in Leipzig. Sein Gemälde zitiert das bekannte Werk „Der Liebeszauber“ eines niederrheinischen Meisters des 15. Jahrhunderts aus dem Museum der bildenden Künste in Leipzig. Durch Überlagerungen mit fiktiven Konstruktionslinien reflektiert Plogsties dabei über Original und Reproduktion.

Audioguidesystem im Kaisertrutz verfügbar

Ihrem Bildungsauftrag als größte städtische Kultureinrichtung entsprechend, haben die Görlitzer Sammlungen ein Audioguidesystem eingeführt. Das Konzept hat Koordinator Thomas Doetsch weiterentwickelt. Mit finanzieller Unterstützung durch das Sächsische Ministerium für Soziales und Verbraucherschutz und die Sächsische Landesstelle für Museumswesen sowie dem Einsatz des 2017 erhaltenen Preisgeldes für den Spezialpreises des Sächsischen Museumspreises udn unter Einbeziehung verschiedener Partner erfolgte die Umsetzung.
Integriert wurden die vorhandenen Hörstationen. Insgesamt können 326 Audiostationen aufgerufen werden, 120 Stationen in deutscher Sprache und speziell für Sehbeeinträchtigte sowie 40 weitere in Leichter Sprache. Die Stationen sind nummeriert. Folgen soll ein taktiler Plan für sehbeeinträchtigte Nutzer. Die Texte wurden von Ensemblemitgliedern des Gerhart Hauptmann Musiktheaters Görlitz sowie der Deutschen Zentralbücherei für Blinde eingesprochen.
Über WLAN können die Museumsbesucher mit ihren eigenen Endgeräten durch das Auslesen des QR-Codes oder das Eingeben der Webseite die Audioinhalte aufrufen. Museumseigene Endgeräte können gegen Pfand (Ausweis) ausgeliehen und Kopfhörer können käuflich erworben werden.

Herzwiederbelebungsgeräte im Museum

In der Stadtverwaltung Görlitz gibt es seit kurzem zwei weitere Herzwiederbelebungsgeräte. Die Boxen mit den automatisierten externen Defibrillatoren befinden sich im Kassenbereich der Museumshäuser Barockhaus Neißstraße 30 und Kaisertrutz und sind dort zu den Öffnungszeiten des Kulturhistorischen Museums zugänglich. „Bei rund 30.000 Besuchern pro Jahr in unseren Museumshäusern ist gut, für den Ernstfall gerüstet zu sein.“, erklärt der Direktor der Görlitzer Sammlungen, Dr. Jasper v. Richthofen. Die beiden hochwertigen Markengeräte hat die Firma ToMa Marketing GmbH den Görlitzer Sammlungen dank der Unterstützung durch 14 lokale Unternehmen zur Verfügung gestellt. Die Geräte können problemlos von medizinischen Laien bedient werden. 

Nach mehr als 70 Jahren zurück

v.l.n.r.: Dr. Thomas Wessel, Kai Wenzel (Kurator), Museumsleiter Jasper v. Richthofen und Korinna Lorz, Sächsische Landesstelle für Museumswesen

Das Ge­mälde „Südlicher Hafen bei Tag“ aus dem Frühwerk des sächsischen Hof­malers Johann Alex­ander Thiele (1685–1752) gehörte unter der Inventarnummer 63-39 bis 1945 bereits zum Bestand der Städtischen Kunstsammlungen Görlitz (heute Kultur­his­to­risches Museum). Wie viele andere Objekte der Städtischen Kunstsammlungen ging es im Zuge der Auslagerung von Kunstgütern gegen Ende des Zweiten Weltkriegs verloren. Seitdem galt es als verschollen. Am 5. Dezember 2018 kehrte es nach mehrjäh­rigen Kaufverhand­lungen und mit Unterstützung durch die Sächsische Landesstelle für Museumswesen nach Görlitz zurück. Das Gemälde hat einen festen Platz im Dauerausstellungsbereich „Barocke Künste“ im ersten Obergeschoss des Barockhauses Neißstraße 30 erhalten.