Dauerausstellungen Barockhaus Neißstraße 30

Bürgerliche Kultur des Barock
Der Zittauer Leinwand- und Damastkaufmann Johann Christian Ameiß (1688–1742) ließ das großzügige Stadtpalais mit Wohn- und Handelsräumen an der Neißstraße errichten. Es ist der größte Barockhof in Görlitz. In der Beletage bewohnte Ameiß die repräsentativsten Räume mit prachtvollen Stuckdecken, deren Meister aus dem Umfeld des Dresdner Hofes kamen. Das teilweise originale Interieur mit wertvollen Möbeln, Öfen, Gemälden und kunsthandwerklichen Gegenständen lässt die Zeit des Barock aufleben. Die sich anschließenden Ausstellungsräume im Ostflügel widmen sich „Barocken Künsten“. Hier werden Gemälde, Fayencen und Porzellan, Gläser und Objekte aus Zinn und Silber präsentiert.

Die Milich´sche Bibliothek

Im Jahre 1726 vermachte der Schweidnitzer Rechtsgelehrte Johann Gottlieb Milich (1678–1726) seine Bibliothek mit Wunderkammer dem Gymnasium der Stadt Görlitz. Neben 4.000 Büchern aus dem 16. und 17. Jahrhundert zu Themen der Theologie, Rechtswissenschaften und Philosophie gehörten Handschriften und Objekte aus Natur und Kunst zu seinem Vermächtnis. Die gebildeten Görlitzer Bürger unterstützten die Sammlung durch Schenkungen. So gelangten auch Kupferstiche, das Bildnis von Martin Luther aus der Werkstatt Lucas Cranachs oder eine Wasseruhr (um 1750) in die Milich´sche Bibliothek. Der große historische Sammlungsschrank versucht, die Wunderkammer nacherlebbar zu machen.

Der historische Bibliothekssaal der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften

Ein Höhepunkt des Barockhauses ist der historische Büchersaal, der mit seinen etwa 20.000 Bänden in historischen Regalen und fünf kulissenartig angeordneten Holzbögen zu den schönsten Bibliotheksräumen Deutschlands zählt. Der Bibliothekssaal mit seinem Bestand und die Milich´sche Bibliothek gehören zur Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften, die seit 1951 öffentlich zur Verfügung steht. Den Grundstock zur Bibliothek legten die beiden Gründungsmitglieder der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften, Adolf Traugott v. Gersdorf (1744–1806) und Karl Gottlob v. Anton (1753–1819), die ihre privaten Sammlungen der Gesellschaft übereigneten. Heute zählen Inkunabeln aus der Frühzeit des Buchdruckes, Manuskripte des Frühaufklärers Ehrenfried Walther v. Tschirnhaus (1651–1708) und die weltweit umfangreichste Sammlung zu Schriften des Görlitzer Theosophen Jacob Böhme (1575–1624) zu den wertvollsten Beständen.

Kunst und Wissenschaft um 1800

Das zweite Obergeschoss ist dem Wirken der 1779 in Görlitz gegründeten Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften gewidmet. Einer der Gründer, Karl Gottlob v. Anton, hat das große Barockhaus 1803 erworben und wenig später der Gesellschaft geschenkt. Zu den testamentarischen Vermächtnissen der Gesellschaftsgründer gehörten neben Büchern und Handschriften auch wertvolle Grafiken und Gemälde sowie eine große geologische Sammlung. Sogar das historische Mobiliar hat sich erhalten und wurde liebevoll restauriert. In den verschiedenen Kabinetten werden die Forschungs- und Sammlungsschwerpunkte der Oberlausitzischen Gesellschaft vorgestellt. Dazu gehören ein Literatur- und Musikalienkabinett, Räume über die Erforschung des Riesengebirges und der Alpen sowie ein Altertümerkabinett.

Das Physikalische Kabinett des Adolf Traugott v. Gersdorf

Eine herausragende Kostbarkeit bildet das Physikalische Kabinett des Universalgelehrten und Mitbegründerrs der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften, Adolf Traugott v. Gersdorf. Gersdorf, der zeitlebens verschiedene Naturphänomene erforschte und nutzbar machen wollte, hat im späten 18. Jahrhundert eine einzigartige Sammlung wissenschaftlicher Instrumente zusammengetragen. Sie sind bis heute im Kulturhistorischen Museum erhalten geblieben und werden in der Dauerausstellung gezeigt. Zu den Exponaten gehören beispielsweise eine Pumpe zum Verdünnen und Verdichten der Luft, 1795 in Freiberg hergestellt, Thermometer, Fernrohre und Mikroskope. Herzstück der Sammlung ist eine große Scheibenelektrisiermaschine aus dem Jahr 1790 des damals berühmten Amsterdamer Konstrukteurs Martinus van Marum. Den erzeugten elektrischen Strom verwendete Gersdorf für verschiedene Experimente, u. a. auf medizinischem Gebiet, und zur Herstellung von „elektrischen Gemälden“, den sogenannten Lichtenbergschen Figuren, die als Vorläufer abstrakter Grafik gelten.