Abenteuer Neisse

Geschichten am Fluss

03.04. bis 13.09.2020
Sonder- und Wanderausstellung
Ort: Kulturhistorisches Museum Görlitz, Kaisertrutz, 3. April bis 13. September 2020

Das Gemeinschaftsprojekt

Die Lausitzer Neiße bildet seit dem Zweiten Weltkrieg einen Abschnitt der deutsch-polnische Grenze. Der Fluss ist aber seit jeher Mittler zwischen Ost und West und gleichzeitig Lebensraum und Nahrungs- und Wasserressource. Die Kulturgeschichte und die Ökologie der Neiße und ihrer Umgebung sind Thema einer umfassenden inter- bzw. transdisziplinären Ausstellung, welche die Görlitzer Sammlungen für Geschichte und Kultur und das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz gemeinsam konzipieren und realisieren.

Die Neiße wird in ihren unterschiedlichen Funktionen und Bedeutungen dargestellt – die Entwicklung der Flusslandschaft, der Fluss als Siedlungs- und Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen, als Wirtschaftsfaktor und Touristenziel, als Grenze, als Kommunikationsachse, als Kulturraum und Kunstmotiv u.a.

Die Ausstellungen sind Teil des Interreg-Projektes „Abenteuer Neiße. V. Etappe“ in Leadpartnerschaft der Gmina Zgorzelec.

Die kulturgeschichtliche Ausstellung

Im Rahmen des interdisziplinären Projekts wird die Kulturgeschichte der Neiße zum ersten Mal in einer umfangreichen Ausstellung dargestellt. Das Kulturhistorischen Museum Görlitz folgt den historischen Spuren des Menschen entlang der Neiße und fängt interessante Orte und Geschichten ein, die uns von seinem Wirken in der Flusslandschaft erzählen. Schon unsere Vorfahren nutzten den Fluss als Transportweg, als Energiequelle und Nahrungslieferant. Sie entdeckten ihn als Erholungsort, als Motiv in der Kunst und Projektionsfläche von Sehnsüchten und Erinnerungen. Der Mensch setzte aber auch der Neiße erheblich zu ­– er verschmutzte sie, sperrte sie ein, nahm ihr Wasser im Überfluss und machte sie schließlich zu einer zeitweise hermetischen Staatsgrenze. Bisweilen wehrte sich der Fluss dagegen.

Zum Projektteam der Görlitzer Sammlungen gehören:

Dr. Jasper von Richthofen (Leiter)
Jan Bergmann-Ahlswede (Koordinator)
Ines Haaser (Mitarbeiterin)
Kai Wenzel (Mitarbeiter)

Kontakt:
Jan Bergmann-Ahlswede
Tel.: +49 (0)3581 67-1353
E-Mail: j.bergmann-ahlswede@goerlitz.de

Ad fontes!

An der Neißequelle v.l.n.r.: Kai Wenzel, Ines Haaser, Jan Bergmann-Ahlswede und Jasper v. Richthofen

Zu den Quellen der Neiße führte eine Exkursion das Projektteam in den letzten nasskalten Novembertagen. In den Bergen, hoch über dem nordböhmischen Gablonz (Jablonec nad Nisou), bei Nová Ves nad Nisou, entspringt die Lausitzer Neiße. Nicht weit davon entfernt nehmen auch die anderen Quellflüsse der Neiße ihren Anfang. Gerade am kurzen Oberlauf des Flusses kann der kulturgeschichtlich interessierte Flachland-Lausitzer so manche interessante Entdeckung machen. In der alten Kulturlandschaft, in der die Neiße erst allmählich zum Strom anwächst, treffen mithin die grelle und laute Industriemoderne und die unaufgeregte Lebenswelt der nordböhmischen Landbewohner auf engstem Raum aufeinander.
Die Ausstellung „Abenteuer Neiße“ wird nicht alles davon einfangen können, aber dennoch in Schlaglichtern auf die Geschichte der Kulturregion und über das Flusstal blicken.

Alles im Fluss

Recherchen für die Ausstellung über die Kulturgeschichte der Neiße führten unseren Projektmitarbeiter Jan Bergmann-Ahlswede im Oktober erneut in die Niederlausitzer Neißeregion. Nach einem Besuch des Gubener Stadt- und Industriemuseums und dem Austausch mit der Museumsleitung stand die Mündung der Neiße bei Ratzdorf auf dem Exkursionsplan. Nach 254 Kilometern ergießt sich hier das Wasser der Neiße in die Oder. Auf seinem Weg quert der Fluss von Nordböhmen, über die Oberlausitz bis in die Niederlausitz bedeutende Kulturregionen, altehrwürdige Städte und Dörfer, die Zeugen vergangenen und lebendigen Wirtschaftslebens, eindrucksvolle Bauwerke, geschundene und wieder geheilte Landschaften und liebevoll gestaltete Parks, aber auch die stummen Zeugnisse unruhevoller und unrühmlicher Zeiten.

Im Fluss der Geschichte

Der Leiter der OLB,Steffen Menzel,(links), und Projektmitarbeiter Jan Bergmann-Ahlswede studieren historisches Kartenmaterial und Akten.

Während die Lausitzer Neiße dieser Tage friedlich dahinplätschert, erzählen historische Dokumente aus Archiven, Bibliotheken und Museen von der lebhaften Vergangenheit des heutigen deutsch-polnischen Grenzflusses. Zu Tage treten Zeugnisse der einst intensiven wirtschaftlichen Nutzung der Neiße, bewegende Berichte vergangener Hochwasserkatastrophen, Grenzschicksale und vieles andere mehr.