Im Moment. Fotografie aus Sachsen und der Lausitz

18. November 2017 bis 15. April 2017
Eine Ausstellung des Kulturhistorischen Museums Görlitz und des Kunstfonds, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Ort: Kaisertrutz, Platz des 17. Juni 1

Die Ausstellung versammelt rund 300 Werke von gut 40 namhaften und bisher weniger bekannten Fotokünstlern aus Sachsen und der Lausitz. Im Spannungsfeld zwischen dokumentarischen und inszenierten Bildern reflektiert die Schau die Möglichkeiten der Erzählung mit Fotografie – die Kunst, mit der Kamera jenen Moment festzuhalten, in dem sich eine Geschichte öffnet.
Der Fotografie ist es eigen, dass sie die Zeit festhalten kann und Erzählungen, die sich für einen Moment öffnen, aufzuzeichnen vermag. Für die Ausstellung „Im Moment. Fotografie aus Sachsen und der Lausitz“ wurden diese Fähigkeiten zum kuratorischen Kriterium. Im Mittelpunkt der Schau stehen Fotografien, die vom Epochenwandel der letzten reichlich fünf Jahrzehnte berichten, von der rasanten Veränderung der Gesellschaft und der von ihr geprägten (Stadt-)Landschaft sowie von individuellen und kollektiven Transformationserfahrungen.

Sachsen und die Lausitz erlebten in den vergangenen Jahrzehnten vielfältige Umbrüche. In der Umgebung von Leipzig und in der nördlichen Lausitz verschwanden durch den extensiven Braunkohleabbau weite Landstriche mit zahlreichen Dörfern. An ihrer Stelle breiten sich heute große Seen und Wälder aus. Neue Freiheiten eröffneten die Friedliche Revolution und die Wiedervereinigung. Gleichzeitig gingen mit ihr aber auch die Schließung zahlreicher Betriebe und der schnelle Anstieg der Arbeitslosigkeit einher, wovon Sachsen und die Lausitz besonders betroffen waren. Auf der Suche nach Arbeit haben viele Menschen die Region verlassen, was zu einem dramatischen Bevölkerungsrückgang führte – ein noch immer anhaltender Prozess. Fast zeitgleich wurden beide Landstriche von Veränderungen und Erfahrungen erfasst, die durch die Globalisierung bedingt sind und die sie mit anderen Regionen Deutschlands, Europas und der Welt teilen. Fotografien, die diesen Wandel thematisieren, liegt daher stets auch etwas über den regionalen Bezug hinausweisendes Allgemeingültiges inne.

Die Schau reflektiert ebenso die Veränderungen des Mediums selbst: von der klassischen Schwarz-Weiß-Aufnahme zur digitalen Welt. Die Ausstellung und der begleitende Katalog möchten einen Überblick über die Vielfalt neuerer fotografischer Positionen in und aus Sachsen und der Lausitz geben. Die inhaltliche Spannweite der erzählerischen Bildsujets und der darauf abgestimmten Stilmittel reicht dabei vom Dokumentarischen bis zur Inszenierung.

Der regionale Bezug ist weit gefasst und konkretisiert sich im Thema bzw. Motiv oder auch in der biografischen Bindung der Bildautoren. Die Auswahl ist jedoch nicht als ein Kompendium zu verstehen, sondern folgt letztlich dem subjektiven Blick der Kuratoren. Von Interesse sind Positionen, die über das Dokumentarische hinaus einen künstlerischen Blick mitbringen und sich thematisch-motivisch, besonders auch sozial engagiert an Bildtraditionen der Fotografie in Sachsen und der Lausitz anschließen. Diese ist von der seit Jahrzehnten erfolgreichen Ausbildung junger Fotografiker an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig geprägt. Das produktive Umfeld in Sachsen und der Lausitz inspirierte aber auch außerhalb der akademischen Ausbildung zu fotografischer Tätigkeit. Unter den ausgewählten Serien der 1970er- und 1980er-Jahre finden sich mehrere Beispiele, die ihren Ursprung einem konkreten persönlichen Interesse verbunden mit einer intensiven autodidaktischen Beschäftigung mit dem Medium und seinen technischen Möglichkeiten verdanken.

Mehr als die Hälfte der künstlerischen Positionen stammen aus der Sammlung des Kunstfonds, die seit 1992 über die heute von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen realisierten Förderankäufe zusammengetragen wurden. Weiterhin werden Fotografiebestände des Kulturhistorischen Museums Görlitz, Leihgaben aus der Deutschen Fotothek Dresden sowie dem Stadtmuseum Bautzen und aus Privatbesitz gezeigt. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog und es ist ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm mit Führungen, Künstlergesprächen und museumspädagogischen Formaten geplant. Außerdem soll die Leipziger Fotografin Margret Hoppe während der Ausstellung zu einem Arbeitsaufenthalt nach Görlitz eingeladen werden.

In der Ausstellung vertreten sind folgenden Fotokünstler Ralf Anders, Jürgen Bergbauer, Christian Borchert, Thomas Florschuetz, Falk Haberkorn, Klaus Hähner-Springmühl, Rudolf Hartmetz, Margret Hoppe, Eduard Klein, Jens Klein, Franziska Klose, Bertram Kober, Jürgen Matschie, Maix Mayer, Florian Merkel, Yana Milev, Marcel Noack, Daniel Poller, Günther Rapp, Olaf Rauh, Martin Reich, Evelyn Richter, Matthias Rietschel, Benjamin RInner, Götz Schlötke, Bernd Schnabel, Stefan Schröder, Grit Schwerdtfeger, Valentina Seidel, Andrzej Steinbach, Thomas Steinert, Anett Stuth, Albrecht Tübke, Matthias Weber, Karen Weinert/Thomas Bachler, Artur Zalewski sowie der Görlitzer Fotozirkel.

Begleitend erscheint ein reich bebilderter Katalog im Sandstein Verlag. Es findet ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm mit Führungen und Künstlergesprächen statt.